Schulversuch „Musische Realschule“

Ziel: Erforschung möglicher Transfereffekte durch verstärkten Musik- und Instrumentalunterricht mit Abschlussprüfungsfach Musik an der Realschule in den Jahrgangsstufen 5-10 hinsichtlich sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie deren Auswirkung auf das Schulklima

Im Sinne einer begabungs- und neigungsgerechten Schule wie sie im Lehrplan bei der Einführung der 6-stufigen Realschule beschrieben wird, begann man an der Staatlichen Realschule in Naila,  getragen vom Interesse der Schüler sowie deren aus der Musicalarbeit erwachsenen Motivation, mit den ersten 5. Jahrgangsstufen im Schuljahr 2002/2003 in Sinne eines aufbauenden Musikunterrichts mit dem Keyboardklassenunterricht für alle Schüler 5. und 6. Klassen (Jedem Kind ein Instrument). Ab dem Schuljahr 2006/2007 wurde das Angebot für die 6. Jahrgangsstufe um die Alternative Bläserklasse, ab dem Schuljahr 2007/2008 um weitere Wahlmöglichkeiten Percussion- und Streicherklasse erweitert, damit nicht nur jedes Kind ein, sondern sein Instrument finden kann.
Nach diesen beiden Jahren des Klassenmusizierens aller Schüler findet in der Realschule die Zweigwahl statt: Schüler wählen eine Wahlpflichtfächergruppe (mathematisch, kaufmännisch, fremdsprachlich bzw. künstlerisch-sozial). Mit diesem Schulversuch wird den Schülern ermöglicht, Musik als Haupt- und Abschlussprüfungsfach zu wählen. Damit ist der Musikunterricht 3-stündig, es sind analog zum Musischen Gymnasium praktische und schriftliche Schulaufgaben abzuhalten. Hinzu kommt der Instrumentalunterricht sowie das Ensemblespiel am Nachmittag.
Seit dem Schuljahr 2004/2005 entscheiden sich jedes Jahr etwa 25-30% der Schüler für diesen Zweig III b, im Juli 2008 fanden die ersten Abschlussprüfungen im Fach Musik statt. Die von Lehrerseite spürbaren Veränderungen z. B. des Schulklimas, welche durch eine externe und interne Evaluation dokumentiert wurde, gab Anlass zu diesem Forschungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem ZILL (Zentralinstitut für Lehr- und Lernforschung der Uni Erlangen-Nürnberg) stattfindet. 
Basierend auf Fragen auf Schüler-, Lehrer und Elternseite sollen hier mögliche Transfereffekte erforscht werden. Das Untersuchungsdesign ist auf drei Jahre längs- und querschnittlich angelegt: Experimentalgruppe sind alle Schüler der Realschule Naila,  die Musik als Prüfungsfach innerhalb des Zweiges IIIb gewählt haben (116). Als Kontrollgruppen wurden alle anderen Schüler dieser Schule (477) und jeweils zwei Klassen der Jahrgangsstufen 5-10 einer benachbarten Realschule mit vergleichbaren Standortfaktoren gewählt (307). Die erste Erhebung fand im Februar/März 2008 statt, die nächsten beiden sind jeweils zu Beginn des 2. Schulhalbjahres angesetzt.
Erhebungsinstrumente für den Schülerfragebogen sind Fragen zur Bildungsaspiration und zu Vorerfahrungen mit Musikinstrumenten sowie die revidierte Form der Selbstwertskala von Rosenberg (Collani & Herzberg, 2003), der Fragebogen zum Selbstkonzept von Pfeiffer (2006), die Skalen zur Erfassung von Lern- und Leistungsmotivation (SELLMO) von Spinath, Stiensmeier-Pelster, Schöne und Dickhäuser (2002), der Attributionsfragebogen von Dresel, Schober und Ziegler (2005), Fragen zur Anstrengungsbereitschaft von Ziegler, Dresel, Stöger& Schober (2007), zur Unterrichtszufriedenheit und dem Schülersozialklima von Schwarzer &Jerusalem (1999) sowie zur wahregenommenen Klassenraumzielstruktur (PALS) von Midley (2000).
Die zuständigen Klassenleiter(innen) nehmen ebenfalls eine Einschätzung Verhalten ihrer Schüler(innen) anhand der deutschen Version des Social Health Profile (SHP) von Corrigan (2003) vor.
Auch die Eltern wurden in die Untersuchung mit einbezogen. Sie beantworten ebenfalls Fragen zur Bildungsaspiration, zur Vorerfahrung mit Musikinstrumenten sowie anhand der deutschen Version des Social Health Profile (SHP) von Corrigan (2003) und  hinsichtlich der Persönlichkeitsmerkmale unter Zuhilfenahme des Fünf-Faktoren-Fragebogens für Kinder von Asendorpf (1998).

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